3. Mannschaft überrascht alle!

Die Sensation ist perfekt. Abstiegskandidat Hall 3 macht Neuenstadt-Kocher zum Meister in der Bezirksklasse.
Mit einem flauen Gefühl reiste die Dritte zum Aufstiegskandidaten HN-Biberach 1. Das Wetter war schlecht und einige Spieler waren von der Grippewelle geschwächt. Aber es kam irgendwie anders als gedacht. Der Gegner von Ulf Bischoff war vorbereitet und ließ dem Captain keine Chance zur Spielentfaltung. Marc Sans spielte eine solide Eröffnung, kam in Vorteil und konnte mit einer Springergabel sein Spiel gewinnen.
Mario Meinel, von der Grippe geschwächt, diktierte das Spiel und drückte seinen jugendlichen Spieler so richtig zusammen. Der Gegner konnte allerdings zur Verblüffung von Meinel immer das Spiel im Gleichgewicht halten und ein Unentschieden erkämpfen. Im Nachhinein stellte man fest das der Gegner 131 DWZ-Punkte besser war als Meinel.
Dann kam die Stunde der Senioren. Joachim Pulwer hatte Schachgöttin Caissa augf seiner Seite und gewann etwas glücklich. Waldemar Reifschneider und Wolfgang Schmalzried konnten ihre Gegner ebenfalls besiegen die zum Teil in der Jugendbundesliga Süd spielen.
Nur Siegried Wallisch musste zu guter Letzt die Waffen strecken. Durch diesen absolut unerwarteten Erfolg hat die Dritte einen großen Schritt zum Klassenerhalt gemacht.

Bundesliga: Ende der Winterpause Hall zu Gast in München

(von Frank Zeller)

Die Turnierflut über den Jahreswechsel ist abgeebbt, auch die großen Turniere in Wijk aan Zee und Gribraltar haben ihre Sieger gefunden. Zeit für die Bundesliga, wieder aus dem Winterschlaf zu erwachen! Am Wochenende werden an vier Orten die Runde 7 und 8 ausgetragen.

Hier erfahren Sie mehr über alle Spielorte.

Für die Haller Herrenmannschaft geht die Reise in die bayerische Metropole München, wo mit Bayern und Zugzwang zwei Mannschaften warten, die traditionell gegen den Abstieg kämpfen.

Hall sah sich bisher mit einer schweren Auslosung konfrontiert, gegen drei Spitzenteams hagelte es schon drei Niederlagen. Es ist an der Zeit, Punkte zu hamstern! Gegen die Münchner Vertreter gilt Hall als Favorit, insbesondere gegen die auf Platz 15 rangierende Mannschaft von Zugzwang. Doch Obacht: Bayern zeigte in der bisherigen Saison äußerst bissig und brachte es gar fertig, die hochdotierten Hockenheimer zu schlagen. Die „Wundertüte“ gibt sich selbstbewußt und hofft darauf, dass Team Hall wie gehabt mit einer „gemischten“ Aufstellung antritt. Denn bislang stellte Teamchef Harry Barg stets einen Achter mit einem ausgewogener Mix aus Weltklasse, soliden Profis plus regionale Amateure auf. Und dann würde Bayern sicherlich seine Chancen haben.

Mit ihren neuen Spitzenkräften Valentin Dragnev und Noel Studer, den österreichischen und schweizer Nachwuchshoffnung, sehen sich die Hausherren auch vorne schlagkräftig, sollte Hall ein Kaliber wie Li Chao oder Maxim Matlakov aufbieten.

Wir wollen nichts verraten, es ist auch immer die Frage, ob die Haller, die unlängst in Wijk oder Gibraltar im Einsatz waren, nun bereits wieder „zur Verfügung“ stehen.

Dann auf nach München, let`s go, Hall!

 

Maxim Matlakov im illustren Kreise in Wijk (gegen Caruana). Letztlich musste er seiner Unerfahrenheit noch Tribut zollen, verkaufte sich insgesamt indes sehr gut.

Wird er in München mit von der Partie sein?

 

Maxim Matlakovs Debüt in Wijk aan Zee

Unter unseren Superstars mit über 2700 im Haller BL-Team ist er, der jüngste, vielleicht auch der mit dem größten Potential: Maxim Matlakov, 26, aus St. Petersburg. Im letzten Jahr startete er durch, wurde Europameister und etablierte sich in der Weltspitze. Nun endlich darf er sein Debüt in einem Eliteturnier mit einem echten Weltklassefeld geben: in der A-Gruppe des traditionsreichen Turniers im holländischen Wijk aan Zee!

Maxim M. in typischer Denkerpose

Nach mittlerweile sechs von insgesamt dreizehn absolvierten Runden hält er sich wacker im Mittelfeld. Einer Niederlage steht ein Sieg gegenüber, vier Partien segelte er sicher in den Remishafen, wie auch heute wieder mit Schwarz gegen Fabiano Caruana, die Nummer 3 der Welt.

Gleich in der ersten Runde warte Maxim mit einem Paukenschlag auf und brachte Exweltmeister Vishi Anand an den Rand einer Niederlage:

Anand – Matlakov


Hier schlug er zu mit 19. …Lxf2+ 20.Kxf2 Txa1 21.Dxa1 Sxc2 22.Da4 Df6+! 23.Kg1 Sd4 24.b6+ Ld7

Falls Schwarz nun die Dame nicht zurückziehen würde, könnte Maxim ein fantastisches Matt auspacken: … Se2+ 26.Kh2 Dxh4+!! 27.gxh4 g3 Matt droht.

Doch Anand ist nicht umsonst einer der größten Spieler der Schachgeschichte, es gelang ihm, sich mit 25.Dd1 cxb6 26.Kh2 nebst 27.Tf1 zu konsolidieren. Schwarz sollte indes zumindest nicht schlechter stehen, aber nun zeigte Maxim die Nervosität des Novizen, er wurde leicht unachtsam und in der Folge vom erfahrenen Inder noch meisterlich überspielt.

Szenenbild mit einem anderen Inder: Adhiban Baskeran wird immer kleiner, während der ohnehin groß gewachsene Gawain Jones sich in seinem Sessel reckt und streckt.

Doch trotz des leicht unglücklichen Einstiegs schien Maxim nicht verunsichert, er begann einige Remisen zu sammeln, sich zu „akklimatisieren“ und schlug letztlich die außer Form agierende Yifan Hou mit den schwarzen Steinen. Und heute hielt er wieder bequem gegen Superstar Caruana die Seite des Nachziehenden. Beachtlich! Wie er im anschließenden Interview erklärte, war alles bis zum hohen Endspiel ausanalysiert – er musste sich „nur“ an die zurückliegenden Analysen erinnern!

Smartes Lächeln, doch dann haperte es ein bisschen mit dem englischen Wortschatz. Man ist es halt auch als Großmeister nicht immer gewohnt, dass einem kurz nach beendeter Partie das Mikro unter die Nase gehalten wird – außer man heißt Carlsen, Anand oder Kramnik. Aber die Erfahrung wird es ihm schon lehren!

Er zeigte sich etwas unzufrieden mit seinem Weißpartien: zu solide angelegt, langweilige Remisen. Nicht, was er möchte (auch nicht, was die Sponsoren und Turnierorganisatoren, welche wieder einladen, prickelnd finden…), sein Credo als Spieler ist es eigentlich, „Action“ zu zeigen. Sobald die Nervosität abgelegt ist, werden wir Feuer auch in seinen Weißpartien erleben!

Apropos: unter den Gegnern stehen noch zwei (Ex-) Weltmeister aus: Kramnik und Carlsen. Das Duell gegen Kramnik findet am Mittwoch, dem 24. statt, am Samstag, dem 27., sitzt ihm dann der Branchenführer gegenüber. Beides Mal hat Maxim Schwarz! Ein gutes Zeichen?!

Willkommen in der Sesamstrasse! Die Teilnehmer beim „Außendreh“ in Hilversum. Maxim posiert rechts neben Ernie. Es wurde gemunkelt, dass Garry Kasparow sich im Kostüm des Krümelmonsters versteckt hielte, doch er spielte zu schlecht Sizilianisch…

Zwei St. Petersburger: Maxim neben seinem Trainer Peter Svidler, der ihm offenbar auch ein wenig hilft dabei, Fuß in der Eliteklasse zu fassen.

von (IM) Frank Zeller

P. Michaliks Erfolg bei den Europameisterschaften im Blitz

Noch vor einer Woche war er „Peter der Kranke“. Beim Bundesligawochenende in Hall laborierte Peter Michalik an einer fiebrigen Erkältung, was ihn nicht daran hinderte, zwei Remisen gegen starke Gegnerschaft einzufahren. Nun, wenige Tage später, scheint er seine beste Wettkampfform bereits wiedergefunden zu haben.

Bei der Europameisterschaft im Blitzschach, die vor wenigen Tagen im polnischen Kattowitz ausgetragen wurde, schaffte es unser Peter aufs Treppchen – Peter der Große! Punktgleich mit dem Silbergewinner Luke McShane kam er auf 17,5 Punkten aus 22 Blitzpartien. Der Engländer behielt nach Unterwertung hauchdünn die Oberhand. Nur ein Spieler schaffte 18 Punkte und wurde damit Europameister: der Weißrusse Sergei Zhigalko.

Über 1000 Spieler gingen an den Start, darunter vor allem sehr viele polnische Spieler, auch Kinder ohne Wertungszahl mischten mit. Doch auch die Spitze war durchaus beeindruckend besetzt: rund 150 Titelträger, darunter 5 Spieler mit einer Elo über 2700.

Peter war auf Platz 22 gesetzt und mischte immer vorne mit – leider verlor er in der allerletzten Runde, sonst hätte er sogar noch den Titel holen können!

Während zwischen den Tagen in Saudi-Arabien die Weltmeisterschaft im Blitzschach stattfindet und die komplette Weltspitze, Magnus Carlsen inklusive, anzieht, gab es bei der Euro vergleichsweise wenig Geld zu holen. So oder so, Peter wird sich über den großartigen Erfolg vor fantastischer Kulisse gefreut haben sowie über die 800 € Preisgeld!

(von Frank Zeller)

Bundesliga 9./10.12. – Bericht von Frank Zeller

 

 

 Heimwochenende in den Logen des Optima-Sportparks

Hier unsere Schacharena vom letzten Wochenende, noch unberührt vom Tief Xanthos, das am Samstagabend und am Sonntag alles in Weiß hüllte. Den Spielern war`s egal, drinnen herrschte konzentrierte Schachatmosphäre, der Kaffee dampfte, Nachschub am Buffet ließen die (wenigen) fleißigen Helfer vom Schachklub Hall nie missen. (Bild: Gerd Densing)

 

 

Werder Bremen erweist sich als zu stark, Sieg über Mülheim

(von Frank Zeller)

Na bitte, was in Bremen möglich ist, geht auch in Hall! Schach wird in den Logen des Stadions gespielt, genau wie im Bremer Weserstadion. Wobei, na ja … der Größenvergleich könnte etwas drastisch gegen uns ausfallen. Jedenfalls durften sich die Gäste aus Bremen schnell im Spiellokal Optima-Sportpark heimisch gefühlt haben, selbst die Schalensitze sind in grün gehalten, wie auf obigem Bild unschwer zu erkennen.

Bremen trat am letzten Samstag dann auch favorisiert gegen uns Haller an. Überschneidungen mit vielen anderen Turnieren (siehe den Tagblatt-Bericht von Hartmut Ruffer) hinderten Harry Barg ein konkurrenzfähiges Team aufzustellen. Die Deutsche Hinterachse im Verbund mit der Tschechischen Mittelflanke durfte sich wieder mal bewähren. Doch ausgerechnet der Fahrer unter den Tschechen, Peter Michalik, laborierte an einer fiebrigen Erkältung!

 

Weihnachtsmarkt auf dem Markplatz vor St. Michael.

Betriebsausflug der Nikolaus-AG

Erschwerend hinzukam, dass ausgerechnet ein paar unserer Weißbretter von der tiefgründigen gegnerischen Vorbereitung torpediert wurden. So fühlte Alex an Brett 7 bereits starken Druck, nachdem sein Gegner die ersten 18 Züge im Benoni flott auf den Tisch brachte, einen Bauern opfert und im 19. Zug gar ein völlig verrücktes Figurenopfer servierte:

Alexander Raykhman – Jan Werle

Nach 19.Db3-a2:


21. …Sfxd5!?!?

Laut Computer eher ein fragwürdiges Opfer, doch am Brett saß der Schock tief. Werle meinte, der Rechner hätte ihm dies Opfer geflüstert, doch da war eher der Wunsch Vater des Gedankens, denn Stockfish und Co wollen erst mit …Kh8! das Opfer vorbereiten. Nach 22.Lc4 Sfxd5! hätte die Partiestellung erreicht werden können. Aufgrund der neuen Regelung werden die Paarungen bereits eine Stunde vor der Partie bekanntgegeben. Genug Zeit für Werle, noch eine Neuerung gegen die von Alex gern gespielte Lf4-Variante im Benoni auszutüfteln…?! Aber in der Eile kann es schon mal passieren, dass man bei den Suggestionen der Software einer Zugverwechslung erliegt! Psychologisch saß der Schock bei Alex jedenfalls tief.

20.Lc4?

Und die Wirkung stellt sich ein. Allerdings war es auch mehr als schwer zu sehen, dass Weiß nach 20.Sxd5 Le6 (…Txb2? 21.Sf6 Doppelschach und b2 ist ungedeckt!!) 21.Lc4 Txb2 22.Sxc7! die Dame für drei Figuren geben kann und hinterher sogar eher besser stehen soll.

20. …Kh8! Dafür nahm sich Werle ganze 25 Minuten Zeit – so sicher war er sich auch nicht mehr!

21.Lxd5


21. …Txb2!! Jetzt allerdings sind wir wieder in Bahnen, die auch die Maschinen begeistern.

22.Dxb2 Sxd5 Weiß hat einen ganzen Turm mehr, aber er verliert zumindest noch eine Figur. Und praktisch ist die Stellung so gut wie überhaupt nicht zu halten. Alex musste elf Züge später resignieren.

Alex noch zuversichtlich in der Eröffnungsphase

Auch am 8. Brett bekam Pavel baldige Probleme gegen Sven Joachims aggressives Königsindisch. Er verbrauchte viel Bedenkzeit, fraß einen „vergifteten“ Bauern auf d6, konnte gerade noch durch einige Abtäusche Schlimmeres verhindern, stand dann aber im damenlosen Mittelspiel sehr passiv. Nachdem sein Damenflügel verloren ging, stellte auch er die Uhr ab. Die Vorentscheidung im Match war damit bereits gefallen.

Der „kranke Peter“ hatte sich mittlerweile auf Remis verständigt – was ein äußerst respektables Ergebnis war: mit Schwarz, unfit, gegen den nominell besseren Romain Edouard.

Schwerer Kopf braucht Stütze: der kranke (nicht der schwarze) Peter (Bild: Hartmut Ruffer)

Auch Anthonys Weißpartie mündete bald in ein weiteres Remis.

Ein drittes Remis trudelte am 2. Brett bei Evgeny Postny ein: auch er wusste mit seinen Weißfiguren wenig Druck zu errichten, kurz vor der Zeitkontrolle war ein toter Punkt erreicht.

Aus zwei Weißpartien nichts herausgeholt, während zwei weitere ziemlich schnell in die Niederlage mündeten – mit einer 1:3-Weiß-Ausbeute ist einfach kein Staat zu machen! Liegt es daran, dass unsere Haller allesamt 1.d4 zogen?!

Blieben noch ein paar Nachziehende: Mathias stand lange Zeit ordentlich, kam aber nach und nach gegen den Bremer Tschechen Babula ins Hintertreffen. Auch die Flucht in ein Turmendspiel mit Minusbauern half nicht mehr, manchmal sind die halt doch verloren.

Eine lange Abwehrschlacht schlug Viktor am Spitzenbrett im sicheren Caro-Kann. Sein Gegner Areshchenko probierte alles, doch das Laznickasche Bollwerk erinnerte sehr an Prophylaxemeister Petrosjan:

Alexander Areshchenko – Viktor Laznicka

Nach 19.Tg1


19. …Tag8!?

Um den Weißen davon abzubringen, am Königsflügel mit g4 angreifen zu wollen.

Wenige Züge später waren bis auf Dame und König alle Figuren auf der Grundreihe angeordnet:

Kein Durchkommen – im 59. Zug stellte der Bremer seine Gewinnbemühungen ein.

Das Match war entschieden, doch immerhin sollte es noch einen Haller Ehrentreffer geben. Und ich kann Ihnen versichern, ich war froh, dass er mir selbst vergönnt war. Endlich ein Sieg für mich nach langer Durststrecke!

Die Schwarzpartie legte ich auf Sicherheit an, und bis über den 30. Zug hinaus spielte ich auf Ausgleich. Bei nahender Zeitnotphase begann mein Gegner unschlüssig zu agieren, während ich meine Stellung ausbaute. Im 34. Zug bot er mir Remis an, was ich zunächst im Hinblick auf meine Zeit annehmen wollte. Doch schon allein wegen des Mannschaftsstandes fühlte ich mich zum Weiterspielen verpflichtet, zumal klar war, dass ich ohne großes Risiko auf Gewinn spielen konnte.
Allerdings spitzte es sich dann ausgerechnet auf den letzten Zügen vor der Zeitkontrolle zu, und mein 38. Zug gab die Kontrolle ab – plötzlich stand es Spitz auf Knopf, beide Spieler waren knapp auf der Uhr und in einem Moment hätte mein Gegner einen sehr giftigen Freibauern bilden können:

Alexander Markgraf – Frank Zeller

Nach 39. …Te6


Bei sogleich 41.g6! hxg6 42.h6 hätte der gefährliche Freibauer mir eine Figur und womöglich auch die Partie kosten können. Markgraf zog „materiell“ 40.Tb7? und erst nach

40. …Kg4! 41.g6 hxg6 42.h6, aber nun hatte ich …Sf5! für meinen Springer zur Verfügung, zudem droht die Entlastung …Sxc1+ nebst …Kf3. Nach 43.h7 Te8 gab es nichts Besseres für ihn als die Abwicklung 44.h8D! Txh8 45.Sxe5+ Kh5 46.Txb5, aber nach …Te8! war Weiß in eine unangenehme Fesselung geraten:


47.Kf3!? (Kd1! war sicherer) …g5 48.Td5? Um …Sd2+ zu verhindern, doch nun wird Weiß wieder in eine Fesselung getrieben, und die entpuppt sich als tödlich. Mit 48.Kg2 konnte Weiß noch überleben.

48. …Sh4+ 49.Ke4 Sg6!


Sehr unangenehm. Kf5? scheitert an …Se7+. Weiß kann die Abwicklung in ein verlorenes Springer- oder gar Bauernendspiel nicht mehr aufhalten. Der Bremer schafft es nicht mehr, maximalen Widerstand zu leisten.

Endphase… schon lange dunkel. Mein Gegner wirkt nicht mehr zuversichtlich, noch hätte 54.Kf5! Remischancen bewahrt.

Deizisau war auch dabei

Vincent Keymer in Aktion. Das junge Talent kämpfte mit wechselndem Schlachtenglück. Wertvolle Tipps gab ihm hinterher – eventuell auch vor den Partien – sein Teamkollege Peter Leko. Auch der war mal ein (durchaus größeres) Wunderkind. (Bild: Gerd Densing)

Der 13jährige Peter (Bild GH Hund, wikipedia)… und in der Gegenwart in Hall beim Interview mit Grenke-Chess

 

Zwei Männer im Schnee: Teamchef Sven Noppes chauffiert Starspieler Leko in Sicherheit. Noppes ist eine „gespaltene Persönlichkeit“. Am Samstag noch in Baden-Baden mit Herzblut

beim Beobachten seiner Startruppe fuhr der Schachmanager mit Mehrfachbelastung trotz hohem Schneeaufkommens nach Hall, wo er weitere illustre Schäfchen betreuen konnte.

Reisepartner Deizisau zeigte sich am Wochenende mit mehr Prominenz als wir Gastgeber, machte seine Sache aber auch nicht viel besser, wenngleich der Kampf gegen Bremen bis zuletzt sehr eng und spannend blieb. Am Schluss blieben die Grünweißen mit 4,5:3,5 siegreich.

Zum Wochenendabschluss stand für uns Hausherren eine Pflichtübung an: Mülheim war sehr ersatzgeschwächt an den Kocher gereist, da musste ein Sieg her!

Und so sollte es auch geschehen, wobei – offen gesagt hatten wir einiges Glück beim 5,5:2,5 Sieg. Es hätte durchaus knapper hergehen können!

Zunächst zeigte der Kampf eine durchaus häufig zu beobachtende (Un-)Sitte der Bundesliga. Die Spieler spielen vor allem auf Sicherheit und sind einem frühen Remis nicht abgeneigt, insbesondere am Sonntagmorgen: da muss man früh raus, was den meisten Schachspieler als bekennende Morgenmuffel nicht schmeckt. Oft ist am Sonntag bisschen die Luft raus, weil man eventuell

a) am Vortag verloren und noch frustriert ist

b) schlecht geschlafen hat

c) man noch heimkommen will/muss und man deshalb lieber möglichst früh den Rückreiseweg antreten will, insbesondere, wenn wie am Sonntag ein Schneesturm über der Region und halb Mitteleuropa liegt.

Vier Partien wurden so ziemlich ohne Aufreger nach vollendetem 20+ -Zug remis gegeben. Verwunderlich dabei, dass der Mülheimer Felix Levin mit Mehrbauern gegen unseren Evgeny einfach so Remis anbot! Dabei war doch absehbar, dass sein Team jeden halben Punkt dringend benötigen würde!

Ausgerechnet der arme Peter, der noch fiebrig die Heimfahrt nach Prag antreten wollte, musste in die Verlängerung gehen und bis ins Endspiel ums Remis kämpfen. Das war hochverdient und ein Kraftakt von unserem Mann, doch auch dies ein Beispiel, in dem vielleicht mehr für unsere Gegner drin gewesen wäre.

Auch bei unseren drei Gewinnpartien gab es kritische Momente, in denen wir Luft rein ließen.

Nur ein Haller Sieg war aller Zweifel enthoben, und dies war zugleich mein zweiter Sieg an diesem Wochenende:

Frank Zeller – Mees van Osch

Nach 17. …a5


Das war aus der Petrosjan-Variante im Königsinder entstanden. Für meinen Geschmack hatte mein jugendlicher Gegner seine Dame zu weit von seinem König entfernt, das schrie nach Bestrafung:

18.Tf5! Kg7 19.Txh5! Kostet die Qualität, die Weiß gern investiert.

19. …Sf6 20.Txh6 Kxh6 21.Dd2+ Kh7

Diagramm zum Bild


22.c5! Um die schwarze Mitte aufzubrechen und die weißen Leichtfiguren zu aktivieren.

22. …Dd8 Bei 22. …dxc5 23.Dg5 fällt e5, was dem Ld3 glänzende Aussichten verschafft.

23.Tf1 Tg8?


Das macht den Sf6 unbeweglich und setzt überhaupt seine ganze Armada patt. 23. …Se8 nebst …f6 war notwendig. Mir gefiel vor allem mein nächster Zug, der die weiße Dominanz auf ALLEN Brettabschnitten unterstreicht:

24.Sa4! dxc5 25.Sb6! Totzdem!

25. ..c4 Verzweiflung.

26.Sxc4! Ich wollte ohnehin nach c4 – der Turm ist egal! Fehlt der Bauer auf e5, bricht die schwarze Verteidigung in sich zusammen.

26. …Sd7!? 27.Txf7+ Tg7 28.Tf5 De8 29.dxc6 bxc6 30.Sd6 Dg6


31.Tg5! Df6 Denn nach 31. …Dxd6 32.Th5+ Kg8 (…Kg6 33.Th6+) gewinnt der Abzug 33.Lc4+ die Dame. Oder 31. …Dh6 32.Sf5

32.Th5+ Kg8 33.Lc4+ 1–0

Das lief gut rein und war eine schwungvoll gespielte Angriffspartie wie in alten Zeiten

Der dramatische Höhepunkt des Kampfes ereignete sich am 1. Brett. Dort war unser Viktor klarer Favorit gegen den Mülheimer Thomas Beerdsen. Mit Weiß schaffte er es auch, sich leichten Vorteil zu sichern und man erwartete einen „normalen“ Gang der Dinge, doch ließ unser Philosoph, der nonchalant einen dicken Wälzer über Sophistik neben das Brett legte, in aufkommender Zeitnotphase viel zu viel Gegenspiel zu – plötzlich hatte Schwarz starken Angriff:

Viktor Laznicka – Thomas Beerdsen

Nach 35. …Dg5!


Plötzlich drohen unangenehm …f4 und …Sh4+.

36.f3!? Sicherer war 36.Tc1, aber nach 36. …f4! 37.Txb1 fxe3 kann Weiß kaum mehr gewinnen.

36. …Sh4+ 37.Kf2 Th1!

Jetzt wird’s ernst! Der Springer ist tabu, h2 fällt. Nur keine Panik …

38.Lf4? Verständlich, aber das erlaubt einen versteckten Trick. 38.Dd3 war notwendig und sollte wohl in Zugwiederholung oder Dauerschach enden. Sollte.

38. …Txh2+ 39.Kg1 Der dramatische Höhepunkt des Matches ist erreicht:


39. …Tg2+

Pech für Berdsen, dass dieser automatische Zug auch noch verliert! Bei 39. …Dh5 40.gxh4 Txh4 sollte zumindest ein Remis für Schwarz rausspringen. Es gab aber auch einen Zauberzug: 39. …Sxf3+!! 40.Txf3 Dh5! hätte gewonnen, der weiße König erliegt dem konzentrierten Angriff, etwa bei 41.g4 Th1+ 42.Kf2 fxg4 43.Tg3 Tf8 mit Vernichtung.

40.Kh1! Dg6 Bei 40. …Dh5 41.gxh4 Tg6 ist ebenfalls 42.De1! der Rettungsanker.

41.De1! Alles gut! Das hält den Laden zusammen, so dass die schwarzen Figuren sich verlaufen haben. Viktor gewann Material, bald auch die Partie und entschied somit dem Kampf zugunsten Halls!

Gerade noch mal gut gegangen! Rechts von Viktor auf dem Tisch die schwere Lektüre

4,5 Punkte waren unter Dach und Fach, doch Pavel musste noch in die Verlängerung. Ungern tat er das nicht, besaß er doch einen Mehrbauern im Turmendspiel. Unser Routinier wollte zu gern auch mal gewinnen, nachdem ihm bislang nur Remisen glückten. Und es gelang! Das hatte Pavel sich auch redlich verdient – von frühester Eröffnung an behauptete er im Katalanischen einen Mehrbauern. Dann ließ er etwas die Zügel locker und ein typisch remisiges Turmendspiel entstand:

Valentin Buckels – Pavel Zpevak

Nach 39. …a5


40.Ta7? Der ominöse 40. Zug! Sieht absolut unverdächtig aus, ist aber der wohl schon entscheidende Fehler, der es Pavels König gestattet, sich aus der Umklammerung auf h6 zu lösen. Richtig war 40.Tf8! (verhindert …g6 und ermöglicht nachher ein Schach von der Grundreihe aus) 40. …a4 41.Ta8 g6 42.hxg6 Kxg6 43.Tg8+ mit Remisstellung.

40. …g6! 41.hxg6 Kxg6 42.Ta6 Weiß kann nur ungenügend der Drohung …h5 begegnen. 42.f4 h5+ 43.Kh4 Ta4.

42. …h5+ 43.Kh4 Txf3 44.Txa5 Te3 45.Ta4 Te2 46.Kh3 Kg5


47.Ta8 Ein Dilemma für Buckels. Ein weiterer Bauer geht verloren. Bei 47.Tb4 Te3 droht …h4, und 48.Kg2 erlaubt …Kg4. 48. …Txe4

Der junge Mülheimer wehrte sich noch lange, aber vergeblich. Gratulation an unseren treuen Pavel!

 

Meister der 16 Bretter: Übertragungs- und Blindexperte Marc Lang