Zentrale Endrunde der Bundesliga in Berlin

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“

(Von IM Frank Zeller)

Freitag, 27. April: es ist wieder soweit: die zentrale Endrunde der Bundesliga in Berlin steht kurz bevor. Morgen geht es für die meisten im Team auf große Fahrt, es lockt auch ein Blitzturnier der Extraklasse mit hohem Preisgeld.

Für Team Hall stehen die drei letzten Begegnungen der Saison auf dem Spielplan. Am Sonntag trifft Hall 1 dabei auf Solingen und kann dabei das Zünglein an der Waage in der Meisterschaftsentscheidung spielen, denn Solingen und Baden-Baden liegen gleichauf auf den Spitzenposition der Tabelle.

Am Montag dann steht die Begegnung mit Reisepartner Deizisau an, ebenfalls eine attraktive Paarung und eine große Herausforderung für Hall, das in diese ersten beiden Matches als Außenseiter gehen wird.

Es ist damit zu rechnen, dass Deizisau, das „Juniorteam“ von Baden-Baden und ebenfalls von Grenke-Leasing gesponsert, mit einem möglichst starken Team in Berlin antreten wird: denn auch Deizisau trifft noch auf Solingen, und Sven Noppes, Teamchef gleichermaßen in Baden-Baden wie in Deizisau, wird sicherlich der Konkurrenz um die Meisterschale noch einen Stolperstein in den Weg legen wollen.

Der Abschluss am 1. Mai sieht dann die Begegnung Hall – Aachen. Die Westdeutschen sind auch im Mittelfeld der Liga angesiedelt, wie für Hall geht es für sie um nicht mehr viel, freilich geht es immer auch um Ehre und Reputation! Eng wird es auch hier zugehen, und insgesamt gilt für diese spektakuläre BL-Abschluss-Party: „dabei sein ist alles!“

Hier erfahren Sie mehr über das große Wochenende

3. Mannschaft überrascht alle!

Die Sensation ist perfekt. Abstiegskandidat Hall 3 macht Neuenstadt-Kocher zum Meister in der Bezirksklasse.
Mit einem flauen Gefühl reiste die Dritte zum Aufstiegskandidaten HN-Biberach 1. Das Wetter war schlecht und einige Spieler waren von der Grippewelle geschwächt. Aber es kam irgendwie anders als gedacht. Der Gegner von Ulf Bischoff war vorbereitet und ließ dem Captain keine Chance zur Spielentfaltung. Marc Sans spielte eine solide Eröffnung, kam in Vorteil und konnte mit einer Springergabel sein Spiel gewinnen.
Mario Meinel, von der Grippe geschwächt, diktierte das Spiel und drückte seinen jugendlichen Spieler so richtig zusammen. Der Gegner konnte allerdings zur Verblüffung von Meinel immer das Spiel im Gleichgewicht halten und ein Unentschieden erkämpfen. Im Nachhinein stellte man fest das der Gegner 131 DWZ-Punkte besser war als Meinel.
Dann kam die Stunde der Senioren. Joachim Pulwer hatte Schachgöttin Caissa augf seiner Seite und gewann etwas glücklich. Waldemar Reifschneider und Wolfgang Schmalzried konnten ihre Gegner ebenfalls besiegen die zum Teil in der Jugendbundesliga Süd spielen.
Nur Siegried Wallisch musste zu guter Letzt die Waffen strecken. Durch diesen absolut unerwarteten Erfolg hat die Dritte einen großen Schritt zum Klassenerhalt gemacht.

Bundesliga: Ende der Winterpause Hall zu Gast in München

(von Frank Zeller)

Die Turnierflut über den Jahreswechsel ist abgeebbt, auch die großen Turniere in Wijk aan Zee und Gribraltar haben ihre Sieger gefunden. Zeit für die Bundesliga, wieder aus dem Winterschlaf zu erwachen! Am Wochenende werden an vier Orten die Runde 7 und 8 ausgetragen.

Hier erfahren Sie mehr über alle Spielorte.

Für die Haller Herrenmannschaft geht die Reise in die bayerische Metropole München, wo mit Bayern und Zugzwang zwei Mannschaften warten, die traditionell gegen den Abstieg kämpfen.

Hall sah sich bisher mit einer schweren Auslosung konfrontiert, gegen drei Spitzenteams hagelte es schon drei Niederlagen. Es ist an der Zeit, Punkte zu hamstern! Gegen die Münchner Vertreter gilt Hall als Favorit, insbesondere gegen die auf Platz 15 rangierende Mannschaft von Zugzwang. Doch Obacht: Bayern zeigte in der bisherigen Saison äußerst bissig und brachte es gar fertig, die hochdotierten Hockenheimer zu schlagen. Die „Wundertüte“ gibt sich selbstbewußt und hofft darauf, dass Team Hall wie gehabt mit einer „gemischten“ Aufstellung antritt. Denn bislang stellte Teamchef Harry Barg stets einen Achter mit einem ausgewogener Mix aus Weltklasse, soliden Profis plus regionale Amateure auf. Und dann würde Bayern sicherlich seine Chancen haben.

Mit ihren neuen Spitzenkräften Valentin Dragnev und Noel Studer, den österreichischen und schweizer Nachwuchshoffnung, sehen sich die Hausherren auch vorne schlagkräftig, sollte Hall ein Kaliber wie Li Chao oder Maxim Matlakov aufbieten.

Wir wollen nichts verraten, es ist auch immer die Frage, ob die Haller, die unlängst in Wijk oder Gibraltar im Einsatz waren, nun bereits wieder „zur Verfügung“ stehen.

Dann auf nach München, let`s go, Hall!

 

Maxim Matlakov im illustren Kreise in Wijk (gegen Caruana). Letztlich musste er seiner Unerfahrenheit noch Tribut zollen, verkaufte sich insgesamt indes sehr gut.

Wird er in München mit von der Partie sein?

 

Maxim Matlakovs Debüt in Wijk aan Zee

Unter unseren Superstars mit über 2700 im Haller BL-Team ist er, der jüngste, vielleicht auch der mit dem größten Potential: Maxim Matlakov, 26, aus St. Petersburg. Im letzten Jahr startete er durch, wurde Europameister und etablierte sich in der Weltspitze. Nun endlich darf er sein Debüt in einem Eliteturnier mit einem echten Weltklassefeld geben: in der A-Gruppe des traditionsreichen Turniers im holländischen Wijk aan Zee!

Maxim M. in typischer Denkerpose

Nach mittlerweile sechs von insgesamt dreizehn absolvierten Runden hält er sich wacker im Mittelfeld. Einer Niederlage steht ein Sieg gegenüber, vier Partien segelte er sicher in den Remishafen, wie auch heute wieder mit Schwarz gegen Fabiano Caruana, die Nummer 3 der Welt.

Gleich in der ersten Runde warte Maxim mit einem Paukenschlag auf und brachte Exweltmeister Vishi Anand an den Rand einer Niederlage:

Anand – Matlakov


Hier schlug er zu mit 19. …Lxf2+ 20.Kxf2 Txa1 21.Dxa1 Sxc2 22.Da4 Df6+! 23.Kg1 Sd4 24.b6+ Ld7

Falls Schwarz nun die Dame nicht zurückziehen würde, könnte Maxim ein fantastisches Matt auspacken: … Se2+ 26.Kh2 Dxh4+!! 27.gxh4 g3 Matt droht.

Doch Anand ist nicht umsonst einer der größten Spieler der Schachgeschichte, es gelang ihm, sich mit 25.Dd1 cxb6 26.Kh2 nebst 27.Tf1 zu konsolidieren. Schwarz sollte indes zumindest nicht schlechter stehen, aber nun zeigte Maxim die Nervosität des Novizen, er wurde leicht unachtsam und in der Folge vom erfahrenen Inder noch meisterlich überspielt.

Szenenbild mit einem anderen Inder: Adhiban Baskeran wird immer kleiner, während der ohnehin groß gewachsene Gawain Jones sich in seinem Sessel reckt und streckt.

Doch trotz des leicht unglücklichen Einstiegs schien Maxim nicht verunsichert, er begann einige Remisen zu sammeln, sich zu „akklimatisieren“ und schlug letztlich die außer Form agierende Yifan Hou mit den schwarzen Steinen. Und heute hielt er wieder bequem gegen Superstar Caruana die Seite des Nachziehenden. Beachtlich! Wie er im anschließenden Interview erklärte, war alles bis zum hohen Endspiel ausanalysiert – er musste sich „nur“ an die zurückliegenden Analysen erinnern!

Smartes Lächeln, doch dann haperte es ein bisschen mit dem englischen Wortschatz. Man ist es halt auch als Großmeister nicht immer gewohnt, dass einem kurz nach beendeter Partie das Mikro unter die Nase gehalten wird – außer man heißt Carlsen, Anand oder Kramnik. Aber die Erfahrung wird es ihm schon lehren!

Er zeigte sich etwas unzufrieden mit seinem Weißpartien: zu solide angelegt, langweilige Remisen. Nicht, was er möchte (auch nicht, was die Sponsoren und Turnierorganisatoren, welche wieder einladen, prickelnd finden…), sein Credo als Spieler ist es eigentlich, „Action“ zu zeigen. Sobald die Nervosität abgelegt ist, werden wir Feuer auch in seinen Weißpartien erleben!

Apropos: unter den Gegnern stehen noch zwei (Ex-) Weltmeister aus: Kramnik und Carlsen. Das Duell gegen Kramnik findet am Mittwoch, dem 24. statt, am Samstag, dem 27., sitzt ihm dann der Branchenführer gegenüber. Beides Mal hat Maxim Schwarz! Ein gutes Zeichen?!

Willkommen in der Sesamstrasse! Die Teilnehmer beim „Außendreh“ in Hilversum. Maxim posiert rechts neben Ernie. Es wurde gemunkelt, dass Garry Kasparow sich im Kostüm des Krümelmonsters versteckt hielte, doch er spielte zu schlecht Sizilianisch…

Zwei St. Petersburger: Maxim neben seinem Trainer Peter Svidler, der ihm offenbar auch ein wenig hilft dabei, Fuß in der Eliteklasse zu fassen.

von (IM) Frank Zeller

P. Michaliks Erfolg bei den Europameisterschaften im Blitz

Noch vor einer Woche war er „Peter der Kranke“. Beim Bundesligawochenende in Hall laborierte Peter Michalik an einer fiebrigen Erkältung, was ihn nicht daran hinderte, zwei Remisen gegen starke Gegnerschaft einzufahren. Nun, wenige Tage später, scheint er seine beste Wettkampfform bereits wiedergefunden zu haben.

Bei der Europameisterschaft im Blitzschach, die vor wenigen Tagen im polnischen Kattowitz ausgetragen wurde, schaffte es unser Peter aufs Treppchen – Peter der Große! Punktgleich mit dem Silbergewinner Luke McShane kam er auf 17,5 Punkten aus 22 Blitzpartien. Der Engländer behielt nach Unterwertung hauchdünn die Oberhand. Nur ein Spieler schaffte 18 Punkte und wurde damit Europameister: der Weißrusse Sergei Zhigalko.

Über 1000 Spieler gingen an den Start, darunter vor allem sehr viele polnische Spieler, auch Kinder ohne Wertungszahl mischten mit. Doch auch die Spitze war durchaus beeindruckend besetzt: rund 150 Titelträger, darunter 5 Spieler mit einer Elo über 2700.

Peter war auf Platz 22 gesetzt und mischte immer vorne mit – leider verlor er in der allerletzten Runde, sonst hätte er sogar noch den Titel holen können!

Während zwischen den Tagen in Saudi-Arabien die Weltmeisterschaft im Blitzschach stattfindet und die komplette Weltspitze, Magnus Carlsen inklusive, anzieht, gab es bei der Euro vergleichsweise wenig Geld zu holen. So oder so, Peter wird sich über den großartigen Erfolg vor fantastischer Kulisse gefreut haben sowie über die 800 € Preisgeld!

(von Frank Zeller)